THE MORE OR THE LESS
We, the people
Es geht um das Herz. Und um den Bauch. Und natürlich auch um den Kopf. Eigentlich ist es nicht so wichtig, wo genau einen die Musik von The More or The Less trifft. Hauptsache, sie trifft möglichst tief. Berühren müssen diese Lieder, Gedanken auslösen und im Idealfall die Welt für ein paar Momente schöner machen – so, wie es eben nur gute Popmusik vermag.

Tobias Pötzelsberger hat gesammelt. Beobachtungen, Gesprächsfetzen, Merkwürdigkeiten und alltägliche Episoden. Momente, die auf der Straße irgendwie nebenbei passieren und doch wichtig sind. Vielleicht nicht für jeden von uns, sicher aber für jene, die in diese Situationen verwickelt sind. Sei es die Frau, die mit einem Brief in der Hand tränenüberströmt in ihrem Auto sitzt („Ms Anderson“); sei es das Mädchen, die einen offensichtlich benebelten Burschen aus dem Regen unter ein Vordach ziehen will („All in all“); oder die Schlägerei, die nur einen wirklich juckt („A backyard affair“).
Situationen wie diese streifen einen ständig auf den Straßen unserer Städte. Es ist eine Inflation des Bemerkenswerten, so stark, dass das Ungewöhnliche für die meisten schon wieder gewöhnlich ist. Was schade ist, findet Tobias Pötzelsberger. Denn die Straße erzählt die besten Geschichten. Das hat er in seinem Beruf als Radio-Reporter gelernt, wo die Messerstecherei dem Großbrand folgt. Wahrscheinlich ist es aber einfach Neugier, die ihn antreibt und beobachten lässt. Manche, aber nicht jede dieser Geschichten lässt sich von Anfang bis Ende verfolgen, oft ist es nur ein kurzer Augenblick, der in Pötzelsbergers Kopf hängen bleibt und weiterarbeitet. Dann entstehen rund um diesen Augenblick Geschichten, die so wohl nicht passiert sind – aber passiert sein könnten. Wie in „Oh my mary“ etwa, wo ein trauriger alter Mann im Zug der Auslöser für eine Erzählung von Zweifel und Wiedersehen war. Oder in „As seen by the things“, das von den Umständen der Trennung zweier Liebender handelt, die sich im Schneegestöber alleine lassen.